Sorry für den Latinismus in der Überschrift, Latein war ja eh nie meine Stärke. Aber trotzdem will ich heute mal die Frage stellen, wohin sich der Markt mit den eBooks entwickelt. Und wenn ich mir die Situation so anschaue, dann fürchte ich, dass momentan die Schlacht um den eBook-Markt und die Formate tobt so wie es vor vielen Jahren mal bei den Videorecordern der Fall war.
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Die Sklaventreiber vom Amazonas
Weihnachten steht vor der Tür, Hochkonjunktur für die Versandhäuser. Der Marktführer Amazon fällt in diesem Jahr unangenehm auf weil er seine Aushilfen für das Weihnachtsgeschäft von der Arbeitsagentur bezahlen lässt. Das haben sowohl den Spiegelfechter als auch die NachDenkSeiten dazu gebracht ihre Geschäftsbeziehungen zu Amazon abzubrechen.
Und selbst? Als jahrelanger Amazon-Kunde bin ich von diesem Vorgehen alles andere als begeistert. Natürlich kann man argumentieren, dass Amazon nur die Lücke nutzt, die der Gesetzgeber geschaffen hat, trotzdem ist es moralisch nicht zu akzeptieren. Also habe ich die Konsequenzen gezogen und meinen Wunschzettel bei Amazon gelöscht. Ein neuer Buch-Wunschzettel steht nun bei Libri.de und ist auch auf meiner Wunschzettel-Seite hier verlinkt. Bücher werden also in Zukunft via Libri.de oder Buch.de bestellt werden, andere Dinge die kleine Händler bei Amazon eingestellt haben werden eben woanders bestellt, wobei ich ja eh dafür bin, möglichst viel lokal einzukaufen. Natürlich wird Amazon diesen Umsatzeinbruch durch mein Wegbleiben kaum bemerken, aber es geht mir hier einfach ums Prinzip.
Aufgewühlt!
Ja, ich bin gerade in einer Art Ausnahmezustand. Grund dafür ist ein Buch welches mir meine Frau zum Geburtstag geschenkt hat: “Deutschland dritter Klasse. Leben in der Unterschicht”
Neues Gadget mit Linux
Am Wochenende habe ich mir einen eBook-Reader geholt damit einige der Bücher die ich in meinem Leben noch lesen will mit wenig Platzbedarf gelesen werden können. Vor dem Kauf habe ich mir lange diverse Reader bei der örtlichen Buchhandlung angesehen. Der iRiver Story flog aus der engeren Wahl weil ich beim Ausprobieren so meine Probleme hatte, das kleingedruckte in der Bedienungsanleitung zu lesen. Blieben noch drei Kandidaten übrig, zwei Reader von Sony und der Cybook Opus. Der von der Ausstattung umfangreichere Sony-Reader hat in den Testberichten im Web ständig böse Kritiken wegen seines Touchscreens bekommen und der kleine Bruder hat nur 512 MB die man nicht erweitern kann. Außerdem habe ich seit ein paar Jahren eine Abneigung gegen alles wo Sony draufsteht, denn dank des Managements hat man aus einer qualitätsbewußten Firma ein Unternehmen gemacht, das seine Kunden gängelt und mit zum Teil böswillgen Methoden (man denke an das Sony-Rootkit) ausspioenieren will. Mir ist schon klar, dass die Ingenieure bei Sony nix dafür können, aber letztlich habe ich mich dann doch für den Cybook Opus entschieden.
Das Gerät ist relativ klein, nur ein 5-Zoll Schirm, aber zum Lesen reicht das erst mal gut aus. Unter der Haube läuft ein Linux und er hat auch kein Problem mit meinen Linux-PCs die ihn als USB-Massenspeicher erkennen wenn er eingeschalten wird. Vorher sollte man ihn aber mal für 3 Stunden übes USB-Kabel aufladen, eine eigene Ladebuchse hat er nicht.
Die Firmware die beim Kauf dabei war war relativ alt, also habe ich gestern mal die Firmware auf den aktuellen Stand hochgezogen. Das war total problemlos möglich und jetzt geht der Reader merklich flotter als zuvor. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die PDF-Darstellung mit der neuen Firmware schlechter skaliert als mit der vorherigen.
Wobei wir auch gleich bei den Mankos sind. eBooks als PDF sind für so ein Gerät leider nur zweite Wahl da man entweder eine sehr kleine Schrift hat wenn man eine PDF-Druckseite auf einmal darstellen will oder halt hin und her scrollen muss wenn man die Schrift größer will. PDF ist eben ein “Druckformat” und leider kein eBook-Format.
Seine Stärke so richtig ausspielen kann der Reader beim epub-Format. Das zeigt er schön im Blocksatz an und man kann zwischen 12 Schriftgrößen wählen.
Lesefutter gibt es genügend. Ich habe mal ein paar alte epubs aus der Zeit als ich mit Lucidor experimenterte aufgespielt und ein paar Bücher vom Gutenberg-Projekt das Tausende von gemeinfreien Büchern zum Download anbietet.
Einen Kontakt mit dem verhassten DRM (Digital Rights Management) konnte ich bisher vermeiden. Gestern habe ich ein Fachbuch über Immobilien als eBook (PDF) gekauft und der Download war ohne Einschränkungen möglich. Die Einschränkung ist, dass auf jeder Seite steht, dass dieses Buch für mich “erzeugt” wurde. Kopien können also zu mir zurückverfolgt werden.
Preislich war das Immobilien-Buch auch um 10 Euro billiger als die Printversion. Trotzdem werde ich natürlich auch weiter bestimmte Bücher als Printausgabe lesen, z.B. das Buch über die Historie der Gitarren welches ich gerade lese käme auf so einem Mini-Reader angesichts der Farbbilder relativ schlecht, denn der eBookreader hat nur 8 Graustufen.
Aber reine Geschchten kann man mit dem Reader recht gut lesen und bei 1 GB internem Speicher der mit einer microSD-Karte (nicht SHDC) erweiterbar ist kann man eine relativ große Bibliothek immer in der Hemdtasche mitnehmen. Denn der Reader passt gut in eine Hemdtasche rein, auch wenn das vom modischen Standpunkt eher suboptimal ist.
Neuzugang im Bücherregal
Da ich in der Arbeit gerade ein wenig mit Virtualisierung und mehreren Linux-Kisten als Cluster experimentieren darf habe ich mir das folgende Buch gekauft:
“Cluster Computing” von Heiko Bauke und Stephan Mertens
- Gebundene Ausgabe: 458 Seiten
- Verlag: Springer, Berlin; Auflage: 1 (16. Juni 2009)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3540422994
- ISBN-13: 978-3540422990
- Größe und/oder Gewicht: 23,8 x 16,2 x 2,2 cm
Der erste Eindruck von diesem Buch ist sehr gut. Es ist schön gegliedert und beschreibt sehr ausführlich die Aspekte des Cluster-Computing. Nach dem Lesen der ersten Seiten kann ich auf jeden Fall schon mal mitteilen, dass das Buch bei einem Preis von nicht mal 10 Euro ein echtes Schnäppchen ist.
Noch ein Buch fertig gelesen
Und diesemal wieder ein politisches: Tanja Busse – “Die Einkaufsrevolution: Konsumenten entdecken ihre Marktmacht“. Ein Buch das einem die Laune verderben kann, aber nicht weil es so schlecht ist, sondern weil es sauber recherchiert über die Dinge berichtet, die unsere Konsumgesellschaft am liebsten gar nicht wissen will. Zum Beispiel dass Kinder in Afghanistan gerne in die Schule gehen obwohl sie da wirklich keinen Spaß haben, aber die Alternative ist Teppichknüpfen für 12 Stunden am Tag. Oder dass die ganz preiswerten Grabsteine aus Indien importiert werden und dort im Steinbruch auch Kinder sich abrackern damit der Rubel für die Steinhändler rollt.
Auch zum Thema Ernährung hat das Buch einiges an Grausamkeiten zu berichten. Zum Beispiel dass in Brasilien der Regenwald verstärkt Soja-Feldern weichen muss. Der Soja von dort wird übrigens hier an unsere Rinder verfüttert, konkurrenzlos billig, auch wenn er um die halbe Welt transportiert werden muss. Und natürlich nicht unbedingt Gentechnik frei. Dafür revanchiert sich die EU mit Geflügelexporten nach Kamerun. Natürlich nicht ganze Hühner, sondern das was übrig bleibt wenn man Chicken Nuggets oder Hähnchenbrust macht. Also das Zeugs, das hier keiner abnagen will wird total günstig nach Kamerun verschifft, als Tiefkühlware. Wenn es dort ankommt ist es so billig, dass der Geflügelbauer aus Kamerun diesen Preis nicht schlagen kann und deshalb pleite geht. Dafür hält das Importgeflügel auch nicht lange, denn eine funktionierende Tiefkühlkette kann man in Afrika wohl nicht voraussetzen und so sind 80% der Ware die den Konsumenten in Kamerun erreichen schon verdorben.
Schön ist auch ein Artikel über Investmendfonds und deren Investitionen in Hersteller von Landminen. Die Autorin fragte an, ob es irgendwelche moralischen Richtlinien für die Fonds gibt, aber die einzige Richtschnur ist, wie im Kapitalismus üblich die Aussicht auf Profit.
Insgesamt ein sehr gutes Buch, unbedingt empfehlenswert aber eben auch keine “leicht verdauliche” Kost weil man schon betroffen ist, wenn man liest welche Schattenseiten unsere kapitalistische Konsumgesellschaft mit sich bringt.
Weihnachtsbücher fertig gelesen
Heute habe ich das zweite meiner beiden Bücher, die ich zu Weihnachten bekam fertig gelesen.Es waren zwei Bücher von Vandana Shiva und vom Thema her waren diese sehr interessant zu lesen. Interessant vor allem auch aus dem Grund weil man hier als Europäer ein wenig Einblick in die indische Kultur und Geschichte bekommt und eben auch die Probleme die Indien aktuell betreffen und die vor allem der Agro-Industrie wie Monsanto und Konsorten anzulasten sind.
Shiva ist eine heftige Verteidigerin der These, dass natürliche Ressourcen wertvoll sind und vor allem Allgemeingut, es daher ein Verbrechen ist, wenn man versucht Organismen zu patentieren oder Wasser zu privatisieren. Damit rennt sie bei mir jedenfalls offene Türen ein, denn natürlich ist es ein Unding, wenn Saatgut patentiert wird und der freie Tausch mit Saatgut unter den Bauern dann kriminalisiert wird.
Shiva ist allerdings anstrengend zu lesen. Man hat das Gefühl, dass sich die Bücher ständig im Kreis drehen, mal ein Kapitel über Saatgut, eines über Biodiversität, eines über genetisch veränderte Organismen (GVO) und dann wieder zurück zum Saatgut. Mir als Pragmatiker fehlt da irgendwie die klare Linie, also beschreiben was schlecht ist, wie es früher war und was zu tun ist um es wieder besser zu machen.
Insgesamt trotzdem zwei empfehlenswerte Bücher mit vielen Hintergrundinformationen aus Indien. Vor allem sieht man nach der Lektüre dieser Bücher den Begriff “geistiges Eigentum” unter einem anderen Blickwinkel als zuvor. Es geht eben nicht nur um die Unterhaltungsindustrie (das was wir in Deutschland merken), sondern auch um den Diebstahl von Naturressourcen, die plötzlich als “geistiges Eigentum” von Konzernen deklariert werden. Hier nochmal die Links zu den Büchern:
Oh Tannenbaum

Hier links seht ihr unseren Weihnachtsbaum hier in Haunstetten. Mit den obligatorischen Geschenken darunter, denn das war für die Kinder natürlich das wichtigste. Der Baum ist 100% künstlich, nadelt aber trotzdem hin und wieder und ist ansonsten aber relativ pflegeleicht. Auf der rechten Seite seht ihr wie es aussieht, wenn man keine Tanne weit und breit zur Verfügung hat. Es ist der Weihnachtsbaum meiner Schwester, die ca. 9000km weiter südlich in Kleinemonde in Südafrika lebt. Also muß halt ein lokaler Baum als Weihnachtsbaum geschmückt werden. Dafür haben die da unten an Weihnachten auch 33° Außentemperatur während wir hier uns mit 3° zufrieden geben müssen.
Mittlerweile sind die Geschenke ausgepackt und für mich gab es unter anderem zwei sehr interessante Bücher von Vandana Shiva, nämlich “Geraubte Ernte: Biodiversität und Ernährungspolitik” und “Erd-Demokratie: Alternativen zur neoliberalen Globalisierung“. Da habe ich für die nächsten Wochen sehr interessante Bücher zum Lesen.
Buchkritik: Angriff auf die Freiheit
Gestern abend habe ich das Buch “Angriff auf die Freiheit” von Ilija Trojanow und Juli Zeh fertig gelesen. Also Grund genung hier ein paar Zeilen über das Buch zu schreiben.
Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Die Autoren verzichten auf jegliche Verschwörungstheorie in ihrem Buch sondern setzen einfach voraus, dass sich alles so ereignet hat wie es die offiziellen Stellen behaupten. Damit vermeiden die Autoren es hervorragend in die Schublade “Wirrköpfe mit Verschwörungstheorien” einsortiert zu werden. Basierend auf diesen Tatsachen analysieren sie dann die daraus abgeleiteten Sicherheitsgesetze und ihre Auswirkungen auf unsere Grundrechte.
Es wird auch ausführlich behandelt, dass Grundrechte nicht vom Himmel fallen sondern erkämpft werden müssen und dass die Definition, die den Terrorverdächtigen einen Status außerhalb jeder Menschenrechte zuweist ein Rückfall ins Zeitalter der Barbarei ist. In meiner Jugend schrieb ich Briefe an die Botschaften südamerikanischer Militärdiktaturen die Leute ohne Gerichtsverhandlung verschwinden ließen oder ohne Anklage für Jahre hinaus in Haft hielten. Also genau das was ein angeblich zivilisierter Staat wie die USA nun mit den Häftlingen in Guantanamo macht.
Die Autoren weisen auch darauf hin, dass jeder etwas zu verbergen hat, nämlich seine Privatsphäre. Ein Punkt der gerne von den Demagogen in der Politik mit dem Argument “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten” ignoriert wird.
Die einzige tatsächliche Ungenauigkeit die mir in diesem Buch aufgefallen ist steht auf Seite 137:
Wollen Sie warten, bis Ihren Kindern bei der Geburt ein Chip ins Halsfleisch gepflanzt wird, der eine sechzehnstellige Personenkennzahl enthält und über Satellit zu orten ist (so wie es bei Ihrem Haustier, falls Sie eins haen, schon der Fall ist)?
Nein meine lieben Autoren, diese Aussage dass die RFID-Chips mit denen wir unsere Haustiere markieren sogar von Satelliten geortet werden können muß ich als Ingenieur mit genügend technischem Fachwissen leider ins Reich der Phantasie zurückweisen. Ja, ich weiß, diverse Hollywood-Streifen der vergangenen Jahre tun so als wäre das technisch mögich, aber praktisch sind RFIDs nur aus kurzer Distanz auslesebar und auch nur mit speziellen Lesegeräten. Man überlege sich mal die Sendeleistung dei ein solcher Chip haben müsste damit er von einem Satelitten in ein paar hundert Kilometer Höhe überhaupt empfangen werden könnte. Und das ganze generiert von einem Transponder der gerade mal 12×2 mm groß ist. Der auf Lebenszeit Signale senden kann die Hunderte von Kilometern weit reichen. Wäre das möglich bräuchte wohl niemand mehr sein Handy an der Steckdose aufzuladen.
Bis auf diesen Fehler ist das Buch aber durchweg lesenswert. Für einen alten Verschwörungstheoretiker wie mich enthält es zwar nicht viel neues, aber es erinnert wieder an die Verbrechen gegen die Menschenrechte die unsere zivilisierten Staaten im Namen des “Kriegs gegen den Terror” begangen haben und die von aktuellen Meldungen wie denen zur Finanzkrise dann aus dem Fokus gedrängt wurden.
Fazit: Sehr empfehlenswert und eigentlich sollte jeder Bürger vor der Wahl am 27. September dieses Buch gelesen haben.
Links für 2009-09-10
Heute abend wieder ein paar Links auf lesenswerte Beiträge im Netz.
- „Gegenüber dem Staat darf ein Bürger sich nicht schützen müssen“ – Spreeblick interviewt Juli Zeh und Ilija Trojanow, die Autoren des Buches “Angriff auf die Freiheit” das ich gerade lese und demnächst hier auch darüber schreiben werde.
- “Frau Merkel, sie haben das verbrochen” – Freemen auf Alles Schall und Rauch zeigt (nicht für Kinder geeignete Bilder) von den Opfern des Bombenangriffs auf die Tanklastzüge in Afghanistan.
- “Wilfried Schmickler über Krise, Krieg und Wahlbeteiligung” – Radio Utopie mit einem Video von Wilfried Schmückler und dem Aufruf, zur Wahl zu gehen.


