Grausam

Gerade eben in der Warteschleife für die Anstalt durfte ich 30 Minuten “heute-journal” genießen. Das hat mich doch gleich motiviert, das Buch “Meinungsmache” von Albrecht Müller auf die Liste der Bücher zu setzen die ich als nächstes lesen will.

Wenn das eine Nachrichtensendung war, dann hat Deutschland tatsächlich ein gravierendes Problem.

Buchtipp für die Servicewüste

Diese Woche an der Kasse des Buchladens gesehen und gleich mitgenommen.

Sigrid Faltin: “Scheiterst du schon oder schraubst Du noch?” – Überlebensstrategien in der Servicewüste. ISBN 978-3.451-30141-4

Auf 175 Seiten beschreibt die Autorin, wie Service in Deutschland immer mehr abgebaut wird und an den Kunden verlagert wird. Das fängt bei Ikea an wenn man sich die Billy-Regale daheim selbst zusammenschrauben muß und geht bei Großunternehmen wie der Bahn weiter, die Kunden vor Fahrkartenautmaten verzweifeln lässt und diejenigen die daren erfolglos scheitern dann als Schwarzfahrer behandelt.

Interessanterweise war das Zeitungsfoto gestern bei der Meldung ob die Bahn zum Jahreswechsel uns wieder mit einer Preiserhöhung beglücken wird die Abbildung eines Fahrkartenautomaten.

Menschliche Dienstleister werden Schritt für Schritt abgebaut und der Kunde darf in “Zukunftsmärkten” bereits selbst kassieren. Gottseidank gibt es auch Gegenbewegungen wie die Kunden die durch Kaufboykott die Wiedereinführung der Kassen mit Menschen erzwungen haben oder Mehmet Ogun, der in Freiburg mit der 150 Jahre alten Ausrüstung seines Großvaters wieder als Schuhputzer arbeitet.

Das Buch ist angenehm zu lesen und man kann alle die schönen Beispiele sehr gut anhand von eigenen Erlebnissen nachvollziehen. Und natürlich gibt es auch eine Webseite zum Buch. Mein Fazit: Empfehlenswert.

Schlagzeilen

Heute morgen beim Zeitunglesen sprangen mir zwei Schlagzeilen der Augsburger Allgemeinen ins Gesicht.

Das Hauptthema: “Die Wirtschaft wächst endlich wieder” mit dem Untertitel: “Konjunktur Die schwerste Rezession in der Nachkriegsgeschichte ist überwunden”.  Es ist erstaunlich. Sogar die Bildzeitung am Kiosk formuliert dies nicht als “Aussage” sondern nur als vorsichtige Frage “Ist die Krise jetzt vorbei?”. Aber die Augsburger Allgemeine freut sich über 0,3% Wachstum zwsichen April und Juni 2009. Da kriegt man echt das Gruseln wenn aus solchen Wachstumszahlen jetzt schon das Ende der Krise vermeldet wird. Vielleicht sollten die Redakteure der Augsburger Allgemeinen auch hin und wieder die Nachdenkseiten lesen, denn in den “Hinweisen des Tages” von heute stehen durchaus anderslautende Meldungen die passend zu meinem Gefühl vermuten lassen, daß die Krise noch längst nicht vorbei ist.

Ein wenig entschädigt wird man allerdings auf Seite 2, hier hat Horst Haitzinger die Situation in einer sehr gelungenen Karikatur mit einem Bild das mehr als 1000 Worte sagt auf den Punkt gebracht. Eben, dass der momentane Aufschwung noch lange keine Grund zum Jubeln ist.

Die andere Schlagzeile die mich ärgert: “Handschrift der Lobbyisten” mit dem Untertitel: “Bundesregierung Kabinett nutzt externe Hilfe stärker als bisher bekannt”.  Ja, nachdem unsere wandelnde Reklame für Haargel sich erdreistet hat, ein Gesetz von einer Anwaltskanzlei schreiben zu lassen hat nun auch die Augsburger Allgemeine gemerkt, dass die Lobbyisten öfter mal aushelfen wenn es den Politikern an den passenden Formulierungen fehlt. Aber das “stärker als bisher bekannt” treibt einem die Zornesröte ins Gesicht. Denn es ist keineswegs so, daß dieses Einbinden der Lobbyisten erst in den vergangenen Tagen bemerkt wurde. Ich greife mal in mein Bücherregal und hole das Buch “Der gekaufte Staat” von Sascha Adamek und Kim Otto heraus. Dieses Buch hat auch einen Untertitel “Wie Konzernvertrete in deutschen Ministerien sich ihre Gesetze selbst schreiben”. Und woher wußte ich von diesem Buch? Die Emfpehlung dafür stand am 6. März 2008 auf den NachDenkSeiten.

Es ist also schon länger bekannt, was in unseren Ministerien läuft, aber die Augsburger Allgemeine hat es entweder verschlafen oder wollte es einfach nicht wissen. In beiden Fällen spricht das jedenfalls nicht für die journalistische Qualität unserer Zeitung.

Lucidor E-Book Reader in neuer Version

Vor einiger Zeit habe ich ja schon mal einen Erfahrungsbericht zu Lucidor geschrieben. Da war ich mit der Version 0.5 unterwegs. Diesen Bericht habe ich auch im Forum eines Linux-Magazin-Artikels verlinkt. Heute ist mir aufgeffalen, daß wieder viel Traffic auf mein Blog von dort kommt. Also mal geschaut ob das wieder zum Top-Thema erkoren wurde und tatsächlich, da gibt es einen Atikel, daß Lucidor nun in Version 0.6 verfügbar ist.

Die Webseite von Lucidor zeigte sich in meinem Browser allerdings immer noch mit Informationen zur Version 0.5, erst ein Refresh des Cache brachte die neue Info. Was hat sich geändert?

  • Für Debian gibt es ein Binärpaket das einfach aktualisierbar ist
  • Der größte Kritikpunkt, daß sich Lucidor nicht merkt wo ich im Buch war ist mit dieser Version behoben. Lucidor merkt sich nun für jedes Buch auf welcher Seite man war und kehrt dahin zurück wenn man das Buch wieder aufruft.
  • Lucidor kann nun auch auf externe Bibliotheken wie Feedbooks oder das Projekt Gutenberg zugreifen. Damit hat man direkt Zugriff auf eine große Menge an E-Books. Allerdings ist der Gutenberg Katalog so groß, dass mir der erste Versuch diesen zu lesen nach einiger Zeit mit Speicherzugriffsfehler rausgeflogen ist.

Interessante Info am Rande. Mittlerweile habe ich auch Perry Rhodan 2501 gekauft und es ist weiterhin im epub-Format ohne DRM. Mein letzter Anlauf vor ca. 50 Romanen bei einem Händler der das Zeugs im PDF-Format anbot funktionierte mit dem kostenlosen Demo 2450, aber die Kaufversionen waren dann DRM geschützt und unter Linux nicht lesbar. Doch das gehört jetzt hoffentlich der Vergangenheit an.

Ebooks auf dem Schlepptop

Gerade eben habe ich gesehen, dass Beam nun die Perry Rhodan Hefte auch im epub-Format anbietet. Da habe ich mich erst mal über epub schlau machen müssen, es ist ein offenes Format und es gibt eine ganze Menge Reader-Software dafür, unter anderem für Mobiletelefone oder auch Online-Reader wie Bookworm. Da es bei Beam die Jubiläumsausgabe von Perry Rhodan Nr. 2500 gratis gibt habe ich mir die mal im epub Format runtergezogen und gesehen was ich damit tun kann.

Laut Wikipedia und anderen Quellen kann auch Mobipocket das ich auf dem Palm habe mit diesem Format. Das war allerdings ein Schuß in den Ofen, mein Palm ist nach Speichern dieser Datei auf der Speicherkarte abgestürzt. Später las ich dann, dass man wohl die Datei über den Desktop-Reader exportieren muß, und das ist dann schon wieder ein K.O.-Kriterium denn der Desktop-Mobipocket läuft nur unter Windows.

Die Datei selbst ist eine Datei im ZIP-Format und kann mit unzip entpackt werden. Da findet sich dann ein Verzeichnis Ops mit einigen XML und vielen HTML-Files und in den HTML-Files ist der Text des eBooks. Könnte man also schon im Browser lesen. Aber so richtig Spaß macht das nicht.

Da habe ich ein wenig weiter gesucht und bin auch Lucidor als ebook-Reader gestoßen. Der braucht allerdings dann schon Xulrunner oder Firefox aus Lenny, also hat mein Notebook für einen Test herhalten müssen. Lucidor entpackt sich und hat ein Shellskript das ihn startet. Tut man das, dann erscheint eine ganz nette Reader-Oberfläche und man kann das eBook öffnen und lesen. Das werde ich jetzt mal als Bettlektüre tun und schauen, wieviel Spaß es macht, so ein Buch auf dem Notebook zu lesen.

Trotzdem ist immer noch die Unsicherheit, ob die anderen Hefte im epub-Format dann genauso gut gehen oder wegen irgendwelchem DRM-Müll der nur mit Windows-Softtware läuft sich dann auf meinem Notebook wieder verweigern. Aber das kann ich dann immer noch prüfen wenn der Selbstversuch nun erfolgreich verläuft.

eBooks und Urheberrechte

Als Mensch der deutlich mehr als zwei Bücher besitzt bin ich natürlich stark an elektronischen Versionen der Bücher die ich gelegentlich lese interessiert. So habe ich vor langem aufgegeben, die Perry Rhodan Romanhefte zu kaufen sondern mir gelegentlch einen Schwung “eBooks” für den Mobipocket-Reader auf meinem Tungsten E besorgt. Damit geht das Lesen auch und man hat keine Schuhkartons voll alter Hefte die man zwar nicht wegwerfen will, die aber trotzdem irgendwie im Weg sind.

Allerdings werden meine Augen auch nicht besser und so habe ich auch schon mal überlegt, mir mal zu Weihnachten oder zum Geburtstag einen “richtigen eBook-Reader” wie z.B. den Kindle von Amazon zu wüsnchen.

Mit eBooks hat man aber trotzdem noch ein paar Probleme. Das eine ist der Preis, obwohl so ein eBook ja “papierlos” ist und für den Verlag auch kein Risiko darstellt, auf zigtausend gedruckter Exemplare sitzen zu bleiben haben manche Verlage noch die utopische Vorstellung, der Kunde wäre bereit, für die elektronische Variante des Buches das gleiche oder nur geringfügig wenige rzu bezahlen wie für die gedruckte Papierversion.

Das noch größere Problem sind aber wohl die Urheberrechte. Was die Musikindustrie mit “Kapierschutz” (das ist kein Tippfehler) mühsam lernen musste machen nun die eBook-Verlage mit ihrem DRM. Marketingdroiden wollen uns einreden, dass der Begriff für “Digital Rights Management” steht, aber eigentlich muß das “R” mit “Restrictions” übersetzt werden. Das durften jedenfalls jetzt einige Kunden von Amazon erfahren, denen der Online-Buchhändler gekaufte eBooks von ihren Kindle-Readern gelöscht hat. Der Online-Händler der die Exemplare von George Orwells “1984″ und “Animal Farm” als eBook in den Kindle-Shop eingestellt hatte besaß leider keine Vertriebsreche dafür. Mit DRM alles kein Problem, da ist das Buch beim nächsten Synchronisieren mit dem Shop dann halt auch flugs wieder vom Reader verschwunden. Gut, Amazon erstattet immerhin den Kaufpreis zurück, aber ansonsten ist das doch der GAU für das eBook-Business.

Besonders bedenklich ist aber auch, dass man via dieser ausgefeilten Technik nicht nur mal wieder Bücher löschen kann, sondern auch beliebig austauschen. Das wäre doch der Traum eines Diktators, einfach die Verfassung ändern und morgen haben alle die “aktualisierte” Version auf ihren Readern und keiner kann mehr beweisen, dass es früher dort anders drin stand.

Angesichts dieser Features werde ich meinen privaten Bücherstapel wohl weiter “analog” haben, also auf Papier gedruckt und für das Bibliotheksmanagement hole ich mir die notwendige Hardware eben bei Ikea. Und auf der politischen Seite ist so ein Vorfall wieder ein Argument, am 27. September sein Kreuz bei der Piratenpartei zu machen.

Mahlzeit!

Heute die Schlagzeile in unserer Wochenendausgabe, das Thema mit den Lebensmittelimitaten. Und natürlich die riesige Empörung quer durch alle politische Lager. Letztere scheint eine Nebenwirkung des aktuellen Wahlkampfes zu sein, denn schließlich sind es ja unsere Politiker die die Gesetze machen und festlegen, welche Inhaltsstoffe angegeben werden müssen und welche nicht.

Wer sich hier mal ein wenig näher informieren will, dem sei das Buch “Food-Design Panschen erlaubt” mit dem Untertitel “Wie unsere Nahrung ihr Unschuld verliert” von Udo Pollmer und Monika Niehaus nahegelegt. Ich habe mir dieses Buch vor ein paar Monaten aufgrund einer Empfehlung im Telepolis Forum gekauft und kann es wirklich nur weiterempfehlen, auch wenn es in gewisser Weise wieder zur Politikverdrossenheit beitragen könnte, denn man merkt halt auch hier, dass die Politik das tut, was die wirtschaftlichen Interessen der Lebensmittel-Großkonzerne vorschreiben.

Wer sich täglich ein wenig vergnügen will kann regelmäßig bei www.abgespeist.de vorbeischauen, dort werden die Werbelügen für Lebensmittel schonungslos entlarvt.