Links für 2011-08-05

Schon wieder haben sich einige lesenswerte Links angesammelt:

Börsen im Sturzflug

Heute herrschte weltweit Panik an den Finanzmärkten. Die Kurse und Indizes brachen auf weiter Front ein und der deutsche Qualitätsjournalismus verbreitete Schreckensmeldungen. Was davon zu halten ist hat Albrecht Müller auf den NachDenkSeiten geschrieben.

Ansonsten erinnere ich mich gerne an ein Zitat von André Kostolany der mal in einem Radiotinterview gesagt hat, dass er wenn er sich amüsieren will immer als Zuschauer an die Börse geht weil dort am meisten Idioten pro Quadratmeter rumstehen. ;-)

In der Schule und im Studium haben sie uns jedenfalls noch erzählt, dass man an den Börsen auch Verluste machen kann und es nicht immer nur aufwärts gehen kann. Aber irgendwie hat es dieses Wissen wohl nicht ins neue Jahrtausend geschafft.

Besonders treffend hat das heute Twitter-Kollege @zeitweise formuliert:

„Börsenpanik vernichtet 2,5 Billionen Dollar“ Warum hab ich eigentlich noch nie gelesen: „Börsenblase erzeugt 2,5 Billionen Fantasiedollar“

Da kann man nur zustimmen.

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Links für 2011-07-26

Heute wieder eine Menge Links zu weiteren Beiträge über die Geschehnisse in Oslo:

Links für 2011-07-24 (Oslo-Kommentare)

Die heutige Linksammlung verweist auf einige recht lesenswerte Kommentare zu den Ereignissen in Oslo:

  • Massaker als Marketing: Das Manifest des Massenmörders” – Diesen Kommentar von Patrick Gensing bei der Tagesschau solltet ihr möglichst bald lesen bevor er wegen des erzwungenen Verfalldatums bei den ÖR wieder entfernt wird.
  • Gegen Demokraten helfen nur Granaten…” – Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss beschreibt sehr deutlich die unterschiedliche Behandlung von rechtsextremer Gewalt und anderen Formen des “Terrors” in Deutschland. Unbedingt lesenswert.
  • Norway, Islam and the threat of the west” – Dieser (englische) Kommentar auf AlJazeera warnt deutlich davor die Tat als das Machwerk eines einzelnen durchgeknallten Spinners (madman) abzutun sondern fordert, die rechtsextremistischen Hintergründe zu untersuchen.
  • Feiges Journalistenpack” – Stefan Niggemeier setzt sich mit einem vorschnellen Kommentar in der Fuldaer Zeitung auseinander.

Money for nothing

So heißt ein Song von Dire Straits aus den 80er Jahren der auf dem Album “Brothers in Arms” veröffentlicht wurde. Geld für nichts. Heute morgen durfte ich mir das Frühstück von einem Artikel samt Kommentar vermiesen lassen bei dem es auch um Geld für nix ging.

Beim seit letztem Jahr schwelenden Kopiergebührenstreit für Kinderlieder hat Bayern nun als erstes Bundesland eine unbürokratische Lösung gefunden, es wurde mit der GEMA ein Pauschalvertrag geschlossen.Bezalen dürfen die Kommunen. Für 8500 Kindergärten in Bayern nur sagenhaft günstige 290.000 Euro!

Mit dem Pauschalvertrag kommen dafür nun jedoch die Kommunen auf. Sozialstaatssekretär Markus Sackmann (CSU) sprach bei der Unterzeichnung von einer Gesamtsumme von 290 000 Euro. Sein Ministerium hatte zuletzt zwischen den Parteien vermittelt. Er freue sich besonders, sagte Sackmann, dass es Bayern als erstes Bundesland gelungen sei, eine unbürokratische Lösung zu finden. Zumal der Betrag „weit unter dem liege“, was Gema und VG ursprünglich verlangt hatten. „Das ist ein guter und schöner Tag für die Kinder“, meinte auch Gemeindetagspräsident Uwe Brandl.

290.000 Euro pauschal für was bitteschön? Hätte der Herr Sozialstaatsekretär Sackmann sich ein wenig mehr für das Thema interessiert und nicht einfach von den Interessenverbänden einsacken lassen, dann hätte er bestimmt gemerkt, dass es von den Musikpiraten ein gemeinfreies Kinderliederbuch mit 50 Seiten und eigentlich allen bekannten Stücken für exakt 0,00 Euro gibt. Ein Werk, das jeder Kindergarten beliebig oft ausdrucken und vervielfältigen darf.

290.000 Euro für etwas, was man auch Umsonst von Ehrenamtlichen Helfern bekommen kann. Money for nothing. Ok, pro Kindergarten sind das gerade mal knapp 35 Euro, aber es geht hier schlicht ums Prinzip. Und das Prinzip lautet wohl, dass man sich gerne von Lobbyverbänden einseifen lässt, dann einen faulen Kompromiss schließt der “weit unter den ursprünglichen Forderungen” (die ja kaum begründbar waren) liegt und sich dann selbst als “unbürokratisch” und “ein schöner Tag für Kinder” beweihräuchert.

Besonders schlimm war dann auch der Kommentar der Augsburger Allgemeine der daneben abgedruckt war und der die Meinung vertrat, dass ja jetzt die Urheber ihren gerechten Anteil bekämen. Das ist hirnrissig, denn zum einen sind die Urheber der bekannten Kinderliedel seit mehr als 70 Jahren tot (sonst wären diese Lieder nämlich nicht gemeinfrei), zum anderen ist eine “Pauschale” immer ein Gießkannenprinzip und keine echte Leistungsvergütung. Letztlich machen die GEMA und die Liederbuchverlage den Profit. Sozusagen ein “leistungsloses Einkommen” welches man keinem Hartz IV Empfänger geben will… hier aber schon.

Bravo NDR

Gestern abend lief in der ARD ein Bericht des NDR über Carsten Maschmeyer, den Gründer von AWD und seine Machenschaften und Verstrickungen mit der Politik. Wer den Bericht versäumt hat kann ihn in der Mediathek nochmal anschauen solange er nicht “depubliziert” wird. Das dürfte in etwa einer Woche der Fall sein, also bitte beeilen, der Bericht ist wirklich hochinteressant.

Besonders bemerkenswert ist wohl, dass es den Reportern des NDR nicht gelungen ist während ihrer wochenlangen Recherchen eine “Audienz” bei Herrn Maschmeyer zu bekommen. Umso erstaunlicher ist, dass Deutschlands meistgelesene Tageszeitung aus dem Springer-Verlag binnen Stundenfrist wohl einen Audienztermin bei Maschmeyer bekam um ein “Verhör” wie sie ihr Interview großkotzig nennen durchzuführen.

Warum klappt das bei Bild und nicht beim NDR? Könnte es daran liegen, dass der NDR tatsächlich mal so etwas wie Recherchen betreiben wollte, während die Bild stereotype Fragen stellt die mit Allerweltsfloskeln von Maschmeyer beantwortet werden? Ja, danke für das Gespräch mit der Bild, danach bin ich genauso schlau wie vorher.

Die NachDenkSeiten berichteten zudem im Vorfeld der Sendung, dass die Anwälte des Herrn Maschmeyer im Vorfeld der Sendung kräfig zu intervenieren versuchten, die ARD die Sendung aber trotzdem ausstrahlte.

Der Sendungsmitschnitt ist auf jeden Fall sehenswert, denn dort finden wir dann auch die anderen Hauptakteure der politischen Korruption, solche Leuchten wie Walter Riester oder Bert Rürup. In einer Einblendung sieht man sogar den Lockenkopf des neoliberalen Einpeitschers Bernd Raffelhüschen kurz. Also genau die illustre Gesellschaft, die funktionierende soziale Sicherungssysteme demontiert um ihren Amigos von der Versicherungswirtschaft (z.B. dem Herrn Maschmeyer) neue zahlende Klienten zu vermitteln.

Was natürlich laut den Interviews mit Riester und Rürup in der Reportage keineswegs so ist und man das so auch nicht sehen darf. Aber irgendwie war die Reportage überzeugender als diese beiden Herren die sofort mit Beißreflexen reagieren wenn man sie auf die Verflechtung von Politik und privaten Interessen anspricht.

Wie gesagt, ein sehenswertes Stück von investigativem Journalismus ist der Film, den wir dank der Intervention der Verleger nun nur begrenzte Zeit online abrufen können. Da ist dann auch verständlich, warum Maschmeyer hier nicht viel Aufhebens darum macht, in einer Woche wird “depubliziert” und dann ist auch der Shitstorm vorbei dem er jetzt ausgesetzt ist. So was sitzt der doch locker aus.

Erfolgsmodell A8?

Die Lokalzeitung ist heute voll des Lobes über das erste PPP-Autobahnprojekt (PPP = Public Private Partnership) auf dem A8-Teilstück zwischen Augsburg und München:

Das 37 Kilometer lange Teilstück zwischen Augsburg-West und Parkplatz Palsweis (Landkreis Dachau) ist das erste deutsche Autobahnprojekt mit privater Finanzierung. Es gilt nun nach der Fertigstellung in Rekordzeit und ohne Zusatzkosten für den Bund als Vorbildmodell für viele Verkehrsgroßprojekte in ganz Deutschland.

Und Verkehrsminister Ramsauer spricht sogar von “Effizienzgewinnen”. Gewinnen tut dabei sicherlich das Firmenkonsortium das jetzt für 30 Jahre die Autobahn betreiben darf und dafür die LKW-Maut (und vielleicht auch eine irgendwann eingefährte PKW-Maut?) einsteichen darf.

Als Steuerzahler stehe ich diesen PPP-Projekten allerdings sehr skeptisch gegenüber, denn ein privates Wirtschaftsunternehmen hat vor allem ein Ziel: PROFIT. Das bedeutet, dass es diese Projekt nicht durchziehen würde, wenn am Ende unterm Strich nicht der dicke Profit stehen würde. Die Baukosten wurden mit 250 Millionen Euro angegeben. Wenn wir von einer durchschnittlichen Maut von 20 Cent pro Kilometer ausgehen, dann zahlt jeder LKW für die 52 km also rund 10 Euro. Bei 100.000 Fahrzeugen pro Tag und einem LKW-Anteil von nur 25% wären die Tageseinnahmen also 250.000 Euro. Oder anders gesagt, in 1000 Tagen haben wir überschlägig die Baukosten wieder drin. 1000 Tage sind knapp 3 Jahre.

Jetzt rechnen wir mal das Thema Baukostenfinanzierung durch: Kein Unternehmer wird die 250 Millionen Euro unterm Kopfkissen liegen haben, also ist anzunehmen, dass die Finanzierung der Baukosten über Kredite lief. Wenn der Staat den Bau finanziert hätte wäre das nicht anders gelaufen, aber der Unterschied ist, dass der Staat wohl günstigere Kreditkonditionen bekommt als ein Privatunternehmer, d.h. die Gesamtkosten der Finanzierung sind schon mal höher als wenn der Staat dieses Projekt durchgezogen hätte.

Wenn aber jetzt ein Verkehrsminister sich hinstellt und von Effizienzgewinnen spricht, dann muss ich die Frage stellen, warum die Privatwirtschaft effektiver ist wenn sie selbst die Projektleitung hat? Der Staat hat keine verbeamteten Bauarbeiter, das heißt die Ausführung der Arbeiten wäre so oder so von einer privaten Baufirma vorgenommen worden. Warum also ist dieser private Unternehmer “effizienter” wenn er auf das Gesamtprojekt durchführt? Müsste der Rückschluß nicht lauten, dass vom Staat beauftragte Unternehmer dann vielleicht sogar absichtlich ineffizient sind weil man es ja gewohnt ist, dass die Kosten bei jedem öffentlichen Projekt unter staatlicher Kontrolle explodieren?

Aber solche Gedanken gehen im Jubel um die tatsächliche Sechsspurigkeit (anders als die gefühlte Vierspurigkeit der Friedberger Straße hier) natürlich unter.

You get what pay for

Dieser Satz ist sozusagen die Grundmaxime der freien Märkte und wer nicht bereit ist zu zahlen kriegt halt dann auch nichts. Ok, bei uns ist das anders, Arbeitgeber die keine anständigen Löhne zahlen wollen kriegen trotzdem ihre Lohnsklaven von der ARGE zugeteilt, aber das ist eine andere Geschichte. Die Geschichte die Fefe heute im Blog hatte zeigt dann auch sehr schön, was passiert wenn die von den Neoliberalen geforderte Senkung der Staatsquote umgesetzt wird und man eben auch Dinge privatisiert die besser nicht privatisiert werden sollten. Also beispielsweise die Feuerwehr.

In Obion County im US-Bundesstaat Tennesee ist die Brandbekämpfung wohl Privatsache und als Abgabe an die örtliche Feuerwehr sind von jedem Hausbesitzer 75 Dollar fällig.  Und wer sich die spart bekommt halt keine Hausbesuche der Brandbekämpfer sollte es mal bei ihm brennen. So ist es einem Hausbesitzer dort ergangen, die Feuerwehr kam und sah zu wie sein Haus abbrennt und war nur da um da Übergreifen des Feuers auf die Häuser der zahlenden Kundschaft zu verhindern. Tja, Pech gehabt ist dann der Kommentar des Feuerwehrchefs.

Und wer glaubt so was könne bei uns nicht passieren möge sich mal die folgende Schilderung der Ereignisse aus dem Stuttgarter Schloßpark vom 30. September ansehen. Allerdings muss ich sagen, dass diese Schilderung nicht nachprüfbar ist und was mich ein wenig stutzig macht ist die Tatsache, dass von 3 Leuten die sich um einen Verletzten kümmern keiner ein Mobiltelefon dabei hat und der Helfer der dann mit der Notrufzentrale telefonieret sich erst eines ausleihen muss. Trotzdem gibt es unter anderem auch den Brief der Demosanitäter die wiederum die oben verlinkte Schilderung durchaus möglich erscheinen lassen.

Eine Zensur findet nicht statt

Artikel 5 Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Aber natürlich kann man nicht über alles berichten. Schon gar nicht, wenn das Thema den aktuellen Machthabern vielleicht nicht so in den Kram passt. Das ist aber keine Zensur sondern nur Konzentration auf wichtige Nachrichten.

Für mich wäre heute abend mal wichtig gewesen, wie es in Stuttgart weitergeht. Es war ja eine Montagsdemo angekündigt. Und um zu erfahren was da abging muss ich schon ins benachbarte Ausland gehen, der Standard aus Österreich hat da wenigstens was. Oder ich gucke in Blogs wie Alles Schall und Rauch, da gibt es auch einen Bericht von der Montagsdemo an der heute immerhin 55.000 Leute teilgenommen haben.

Anders bei unseren Qualitätsjournalismusverbreitern. Meine lokale Augsburger Allgemeine lässt mich auf ihrer Startseite sehr im unklaren über die Entwicklung in Stuttgart, man berichtet lieber über ein paar Kommentare im eigenen Forum.

Und das “Fakten, Fakten, Fakten”-Magazin Focus aus München verlinkt zwar auf einen Artikel zu Stuttgart 21 von heute, aber dort wird die Montagsdemo nicht erwähnt.

Ebenso das ehemalige Nachrichtenmagazin, bei dem Stuttgart 21 kein Top-Thema ist, aber das wenigstens im Artikel dann ein paar Worte zur Montagsdemo fallen lässt.

Da bin ich dann mal auf die “Coverage” in der Printausgabe der Augsburger Allgemeinen gespannt. Gestern gab es noch einen kritischen Leserbrief zu den Vorgängen am 30. September, heute nix mehr. Und diese Woche ist ja perfekt geeignet um das Thema geflissentlich unter den Teppich zu kehren, immerhin kann man im Tagesryhthmus über die Verleihung der Nobelpreise berichten und das ist natürlich dann eine willkommene Abwechslung zu den schlechten Nachrichten über die man sonst schreiben müsste.

Wir wissen ja: “Eine Zensur findet nicht statt”