Links für 2011-10-25

Obwohl ich gerade ein wenig mehr als sonst zu tun habe sammeln sich doch einige Links aus meinen RSS-Feeds an, also Zeit mal wieder für ein paar lesenswerte Stellen im Web:

  • Die Messe der Spekulanten findet in Zürich statt” – Freeman vom ASR-Blog über eine Fachmesse für Zocker die für ihr Casino keine Lizenz brauchen und auch keine Abgaben an den Staat zahlen müsen.
  • Manifest echte Demokratie jetzt” – Andy hat auf Kinderalarm die deutsche Übersetzung des spanischen Manifests eingestellt. Lesebefehl!
  • Die ständige Mär vom deutschen Konsumboom” – Die Propagandamschine läuft und erzählt uns in den Nachrichten, dass “der Deutsche” in Konsumlaune sei. Steffen beweist in seinem Querschuss, dass diese Behauptung eher in die Kategorie “So lügt man mit Statistik” fällt.
  • Rammstein ist für alle da” – Udo Vetter berichtet, dass das Album “Liebe ist für alle da” von Rammstein nun nicht mehr auf dem Index für jugendgefährdende Schriften steht. Das VG Köln hat einen entsprechenden Eilbescheid aus dem letzten Jahr bestätigt.

Links für 2011-10-06

Mein Linksammler hat wieder drei interessante Links im Bauch:

Proteste an der Wall Street

Was ich hier in meiner Zeitung kaum gelesen habe ist eine Berichterstattung über Occupy Wall Street, die amerikanische Protestbewegung gegen die Banker, die Finanzkrise die von ihnen ausgeht und die ständig wachsende Armut im Land.

Den ersten ausführlichen Bericht dazu habe ich, wie kann es anders sein, am Freitag online gelesen. Telepolis berichtete über die Aktion und auch die dabei angewandte Polizeigewalt. Mittlerweile eskaliert die Situation und als heute 700 Demonstranten auf der Brooklyn Bridge verhaftet wurden nachdem JPMorgan Chase großzügig 4,6 Millionen Dollar an das New York Police Department gespendet hat, da hatte diese Eskalation durchaus ein “Geschmäckle” wie man hier sagen würde.

Die Entwicklung war aber eigentlich vorhersehbar, wenn man sich die Situation in den USA genauer ansieht. Just heute hat Querschuesse eine Statistik über die Entwicklung bei den Beziehern von Lebensmittelmarken veröffentlicht. Während es vor über einem Jahr noch knapp über 40 Millionen waren haben wir mittlerweile über 45 Millionen Betroffene. Zudem war neulich zu lesen, dass die USA das Land mit dem prozentual größten Anteil an Häftlingen bei der Bevölkerung ist. Klar, auch die Leute die heute auf der Brooklyn Bridge verhaftet wurden werden wohl ihr Gerichtsverfahren bekommen, denn was gar nicht geht ist sich gegen das Establishment aufzulehnen.

Bei Telepolis gab es auch einen sehr interessanten Kommentar dazu mit folgendem Fazit:

Das sage ich schon seit Jahren: Die Freiheiten, die wir hier
geniessen, gelten nur so lange, wie sie als ungefährlich für das
System eingestuft werden. Wenn genügend Menschen diese Freiheiten
wahrnehmen, um sie zum Risiko werden zu lassen, ist es schnell vorbei
mit der ”FDGO”.

Das würde durchaus erklären, warum Yahoo laut Keith Obermann alle Mails mit Verweis auf die Homepage von Occupy Wall Street filtert. Und das ist auch der Grund, warum alle ach so zivilisierten Staaten alles daran setzen die Kontrolle über das Internet zu erhalten, sei es unter dem Vorwand der Bekämpfung von Kinderpornographie oder eben um Urheberrechte gegen “Raubkopierer” durchzusetzen.

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Links für 2011-08-12

Wieder gibt es ein paar Links auf interessante und lesenswerte Artikel im Netz:

Zensur oder keine Zensur?

Heute abend hätte in der ARD-Sendung Monitor eigentlich ein Beitrag über die Polizeigewalt bei Demonstrationen wie z.B. in Stuttgart ausgestrahlt werden sollen. Dieser Beitrag wurde wie man vorhin auf Twitter erfahren konnte kurzfristig aus dem Programm genommen, die Homepage von Monitor nennt hierzu keine Gründe. Die Facebook-Seite von Monitor hingegen berichtet:

Der Beitrag “Gewalt in Stuttgart” wird noch recherchiert. Wir werden einen Sendetermin rechtzeitig ankündigen. Wir arbeiten dran.

Das ein paar Stunden vor der Sendung hat doch einen sehr seltsamen Beigeschmack.

#twoff

Das ist die Bezeichnung die manche Leute auf Twitter benutzen um zu signalisieren, dass sie jetzt “offline” gehen. Einen #twoff der besonderen Art gab es am vergangenen Wochenende als ich vom BlackBerry aus twittern wollte und nur ein “Forbidden” bekam.  Ich hatte nämlich den UberTwitter-Client auf meinem Smartphone installiert und der ist bei Twitter wegen angeblicher Policy-Verstöße in Ungnade gefallen.

Twitter als der der Hausherr hat also dem aufstrebenden Konkurrenten gezeigt wo der Hammer hängt. Aber es hat einen sehr bitteren Beigeschmack, diese Geschichte, denn für mich als User war nicht nachvollziehbar warum UberTwitter als “böse” eingestuft wurde, Twitter agierte hier sozusagen als Richter und Henker in einem.

Ubertwitter heißt jetzt UberSocial und wartet wohl noch auf den Segen von Twitter. Besonders lustig ist, dass zeitgleich Ubertwitter im Blackberry Appstore als “featured app” beworben wird, was man dann runterlädt ist aber weiterhin die verpönte UberTwitter-App.

Wobei mir diese durchaus besser gefällt als die offizielle Twitter-App für den Blackberry. UberSocial (um den neuen Namen zu nutzen) zeigt nämlich z.B. bei Profilen von Usern an ob Dir dieser User folgt oder nicht und kann wohl auch mehrere Twitter-Accounts verwalten. Außerdem gibt es Sonderfunktionen für Hashtags und beim Retweeten kann man noch selber was zufügen.

Jetzt bin ich halt wieder auf die offizielle App zurück und werde hin und wieder sehen, wie der Status von UberSocial ist. Zwei Twitter Apps auf dem Smartphone braucht kein Mensch, aber eine die nach Belieben abgeklemmt werden kann eigentlich auch nicht.

Auf Kollisionskurs mit der Pressefreiheit

befindet sich – ratet mal wer- unsere allseits geschätzte Union. Die ist nämlich ein wenig angefressen, dass sie in Fernsehsendungen wie “Frontal 21″ nicht so gut wegkommt und hat deswegen eine Ermahnung des Politikmagazins durchgesetzt. Es wird bemängelt, dass die Berichterstattung des Magazins nicht “ausgewogen” sei und zudem “tendenziös”.

Liebe Unionspolitiker, wenn ich mir eine Sendung mit dem Titel “Frontal 21″ ansehe, dann ist meine ganz persönliche Erwartungshaltung, dass diese Sendung mich über Mißstände und Schwachstellen in unserem System informiert. Ja, der Schlüsselbegriff ist “informiert”, denn natürlich fantasieren die Journalisten für die Sendung nicht irgendwelche Märchen aus tausendundeiner Nacht zusammen sonden berichten über die Bundespolitik. Wenn es der Berichterstattung an Ausgewogenheit fehlt, dann würde ich die Ursache vielleicht auch darin sehen, dass es eben auch der Bundespolitik an Ausgewogenheit mangelt und die Damen und Herren in der Poltik halt mal anstrengen müssten um nicht soviel Mist zu produzieren. Was ihr da gerade tut ist das Hinrichten des Überbringers der schlechten Nachricht.

Gedanken zu Ägypten

Momentan passieren in Ägypten Dinge die eigentlich weitaus mehr Beachtung erfahren sollten als sie von unseren Massenmedien derzeit erhalten. Das ägyptische Volk lehnt sich gegen einen Tyrannen auf der nach 30 Jahren im Amt des Präsidenten nicht zurücktreten will sondern sich mit Gewalt an seine Macht oder das was davon noch übrig ist klammert.

Dank Internet und vor allem Al Jazeera kann man sich aber trotzdem noch ein Bild von der Lage in Ägypten machen, auch wenn das Regime dort alles mögliche daran setzt um den Informationsfluss zu zensieren. Das führte sogar dazu, dass Ägypten sozusagen offline ging um den Massen die Möglichkeit der Kommunikation über das Internet oder SMS zu nehmen.

Die Lehre die man daraus ziehen muss ist, dass die Möglichkeit der freien Kommunikation einen Machtfaktor darstellt vor dem das Establishment riesige Angst haben muss, denn sonst würden sie diese Kommunikation nicht einschränken wollen. Ägypten musste alle “Leitungen” kappen weil sie keine “weiche Zensurinfrastruktur” etabliert haten. Deutschland versucht seit langem, eine solche “weiche Zensurinfrastruktur” unter dem Deckmäntelchen der Kinderpornographie-Bekämpfung zu etablieren. Und geben wir uns nicht der Illusion hin, dass in Deutschland so etwas wie das gezielte Unterbinden der Massenkommunikation nicht passieren würde wenn es hier mal heiß wird.

Denn hier sehen wir weitere Paralellen zu Ägypten. Das ägyptische Volk protestiert ja nicht weil ihnen die Wüstensonne das Gehirn verschmort hat sondern weil sie die Schnauze voll haben von einem Regime das den Aufschwung feiert der aber nie beim Volk angekommen ist, so schilderte es gerade der Reporter auf Al Jazeera. Schauen wir nach Deutschland, dann sehen wir auch hier einen Aufschwung der trotz aller Jubelei nicht wirklich zum Wohlstand für das Volk führt. So verschieden von Ägypten ist unsere Situation also nicht, lediglich das böse Zungen behaupten in Deutschland bräuchte man für die Revolution eine Bahnsteigkarte.

Interessant ist auch, dass die Volksrepublik China Nachrichten aus Ägypten aus dem Internet filtert, man will wohl vermeiden, dass das eigene Volk auf irgendwelche Ideen kommen könnte. Bei uns gibt es ja viel wichtigere Themen und so ist laut Twitter das Thema in der heutigen Talkshow am Sonntagabend bei Anne Will unser allseits beliebter Verteidigungsminister der sich über die Meuterei auf der Gorch Fock freut weil sie ihn doch vor peinlichen Fragen zur Verletzung des Briefgeheimnises bei Feldpostbriefen aus Afghanistan bewahrt.

Das ägyptische Regime (oder das was davon noch übrig ist) hat heute übrigens auch Al Jazeera die Lizenz entzogen, offensichtlich sind sie ein wenig unangenehm berührt von der wirklich umfassenden Berichterstattung die man von Al Jazeera bekommt. In Deutschland dürfte so ein Schritt nicht notwendig sein, denn zum einen haben wir ja die Massenmedien eh schon gleichgeschaltet und zum anderen hat Al Jazeera seit den islamistischen Terroranschlägen ja eh das Attribut “Terroristensender” anhaftend. Trotzdem läuft bei mir wann immer es geht der Live-Stream von Al Jazeera, denn die bringen die Art von Journalismus die ich in Deutschland schon lange nicht mehr gesehen habe. Da wird dann auch mal genau hinterfragt, warum die protestierenden Bürger als “gewalttätiger Mob” deklariert werden wo doch die Gewalt von der Staatsgewalt aka Polizei ausgeht. Da sollte es jedem Stuttgarter in Erinnerung an die Vorfälle vom 30.09.2010 doch ganz warm ums Herz werden.

Interessant ist auch, dass mittlerweile viele Nationen ihre Bürger aus Ägypten ausfliegen und die sogenannte “Elite” sich ebenfalls aus dem Staub gemacht hat, in 19 Flugzeugen die Kurs auf Dubai genommen haben. Wohin werden sich wohl unsere Ackermänner verdrücken wenn es hier losgeht? Die eigentliche Elite steht in Ägypten auf der Straße und fordert Demokratie und Freiheit ein.

Hier haben Staaten wie Deutschland und die USA jetzt massive Syntaxprobleme. Mubarak war bisher der Staatspräsident und ganz ehrlich hat man sich als Deutscher kaum Gedanken zur Staatsform in Ägypten gemacht, das steht auch nicht in den Reiseprospekten drin. Und natürlich wurde Mubarak von den USA als “verlässlicher Verbündeter” gefördert, jedes Jahr mit Milliarden fürs Militär und die Waffen und Kugeln mit denen momentan auf Demonstranten geschossen wird könnten auch aus deutscher Produktion stammen. Wir werden in den nächsten Tagen sehen, mit welchen Wörtern berichtet werden wird. Die Sprache bietet hier ja schöne Nuancen, man kann ja entweder “Regierung” (auf unserer Seite) oder “Regime” (die Bösen) sagen oder eben “Rebellen” (die sich gegen die Bösen auflehnen) oder “Aufständische” (die gegen die Guten kämpfen).

Die einzige Sondersendung im Deutschen Fernsehen die ich bislang zu Ägypten gesehen habe brachte gestern abend dann auch eher einen nichtssagenden Vizekanzler und Außenminister und zimmerte Nebenbei an einer Gefahr der “Moslembruderschaft” rum die natärlich beim präkonditionierten guten Bildzeitungsleser dann gleich wieder die Assoziation mit islamistischem Terror hervorruft.

Ich persönlich wünsche dem ägyptischen Volk dass sie das bekommen werden was sie derzeit vehement und mit hohem Blutzoll einfordern. Und wer auch immer in Zukunft in Ägypten regieren wird muss von uns akzeptiert werden solange er von seinem eigenen Volk akzeptiert wird. Mubarak hat fertig und muss Platz machen für einen Neuanfang, je eher umso besser.